Sonntag, 16. November 2008

„Bitte nehmen Sie die Plätze ein! Der Film beginnt in 5 Minuten“

Aber das Kino ist leer. Die einzigen Menschen die da sind bin ich, der Gast und das Personal. Ich weiss nicht wie ich in diesem Kino gelandet bin aber ich besitze eine Karte zu diesem einen Film, den sie spielen. Das Kino ist ziemlich heruntergekommen. Der Boden ist verdreckt und an den Wänden zieren Risse.

Na gut. Ich mache mich mal auf den Weg in den Kinosaal. Ich setze mich nieder in einen der gepolsterten, mit dunkelroten Samt überzogenen Sitze. Keiner ist da. Deshalb mache ich es mir natürlich auch schön bequem und schlage meine Beine über, welche ich lässig auf der Lehne des vorderen Sitzes platziere. Das Licht ist ziemlich schummrig. Liegt vor allem daran, dass gewisse Deckenlampen kaputt sind. Aber egal, ich mag es so.

Die Lichter gehen langsam aus und der Film beginnt.

„Wie lange geht er eigentlich?“, frag ich mich…aber nirgends konnte ich eine Information über die Spieldauer entnehmen.

Düstere, traurige Musik erschallt den Raum sowie waren auch die ersten Bilder zu sehen.

Aha!, ich bin wohl in einem Schwarz-Weiss Film gelandet. Immer nur alles Schwarz-Weiss…dass Leben hätte mehr Farbe nötig, aber na gut, weiss ja nicht wo ich bin und wie ich da wieder rauskomme. Gucken wir die Sache halt an.

Der Film zeigt ein blondes junges nicht wirklich schlankes Mädchen, die aus einen vierköpfigen Familie stammt. Zudem scheint sie ein bisschen verschüchtert zu sein…sitzt immer Alleine in der Gegend rum auf dem Schulplatz und isst ihr Pausenbrot. Der Film spielt irgendein HipHop Lied:

„Selbstvertrauen aufbauen ist streng verboten!
Schon wandern kleine Seelen ins Reich der Toten
Weil sie nicht verstehen, was sie sehen
Weil man ihnen nicht gibt, wonach sie sich sehnen
Alles kann nur besser sein, und sei es nur der Tod
Als lebenslanges Warten auf Erlösung aus der Not!“

Komischerweise kenn ich das Lied, obwohl ich das Gefühl habe, es noch nie gehört zu haben. Es heisst „Ich will euer Leben nicht!“ und stammt von Basis. Muss ein verzweifeltes Kind sein, dieses blonde Mädchen…die scheint echt verlassen zu sein….und wieso habe ich das Gefühl dass sie mir direkt in die Augen sieht? Die soll aufhören mich zu belästigen. Dass ist doch zur Hölle nur ein Film!!

„Jahre später…“, ist es in Worten auf der Filmleinwand zu entnehmen.

Die Musik wird still. Still und schwer.

Das Bild ist immer noch schwarz-weiss. Aber ich kenne den Ort! Es zeigt den Zürcher Hauptbahnhof und da ist auch wieder dieses Mädchen! Aber scheinbar scheint sie jetzt herangereift zu sein. Sie trägt schwarze Kleidung…ein bisschen Kajal unter den Augen sowie ist sie jetzt alles andere als Blond. Weiblicher und schlanker ist sie geworden, wirkt aber sehr verloren so Alleine mit dem Kopfhörer im Ohr.

Sie steht mitten in der grossen Bahnhofshalle. Die Menschen stressen nur so an ihr vorbei. Keiner nimmt Rücksicht auf irgendwen. Sie aber auch nicht. Denn die Menschen, rufen aus, beschimpfen sich, rennen einander ins Gepäck rein. Sie, sie läuft und läuft und läuft…als würde sie durch die Menschen hindurch laufen. Ihr scheint der Menschenauflauf egal zu sein. Sie hat sich inzwischen eine Zigarette in den Mund gesteckt und lauscht weiter sehr laut und intensiv ihren MP3-Dateien.

„Are we living on a razor?
Is this predestination?
I’m confusing what is real, what is real
Something, something is controlling
Calling, crawling in my skin
I say, is there someone else?
someone else?“

Gut so, denke ich. Die Spinner machen einem ja sowieso nur das Leben schwer.

Aber den Song kenne ich schon wieder! Ich weiss dass das Coincidence von Exilia ist. Nur hören tu ich das Lied normalerweise nicht. Keine Ahnung, woher ich auch diesen Song kenne.

Ich hoffe mal die Kleine hat kein Mist im Kopf. Einen kurzen Augenblick hatte ich wieder das Gefühl, sie schaut mich an….aber das geht ja nicht…sie ist ja die Darstellerin in einem Film!!

Szenenwechsel.
Schwarz Weiss.
Ein Bett.

Es liegt jemand im Bett. Sie bewegt sich nicht wirklich. Die Augen sind offen, aber sie starren ins Leere. Ich erkenne wieder, dass es Mädchen von vorhin ist.

Es ist still. Keine Musik, nichts.

Diese Stille wirkt aber auf mich extrem Ohrenbetäubend.

Sie scheint wohl sehr müde zu sein.

Aber plötzlich zuckt sie auf wie ein Puppenspieler an Ihr gezogen hat.

Sie schaut mir direkt in die Augen und schreit.

Sie schreit aus Leibeskräften.

In der rechten Hand hält sie ein Sackmesser in die Luft.

Mich drückt es in den Kinosessel zurück vor Schreck.

Sie spricht zu mir, fleht um Hilfe, ich soll sie retten,..

Aber das ist unmöglich!

Es ist ein Film!

Sie kann doch nicht mir reden!

Ich schreie durch den ganzen Saal, dass Sie nicht Alleine ist!!

Aber sie hört mich nicht.

Es wird still. Ich weine lauthals…

Logisch kann ich ihr nicht helfen. Es ist ja ein Film! Verdammt nochmal!

Ein Film…wieso heul ich?

Ist ja nicht das wahre Leben…es ist es nicht!

Ich weine stille Tränen…konnte ihr wohl nicht helfen.

Der Film läuft aber noch weiter.

Aber ich hange nur noch völlig fertig im Kinosessel…

Bin hilflos mir selbst ausgeliefert.

Weiss nicht warum ich hier bin.

Weiss nicht wo ich hier bin.

Ich will einfach weg….weg aus diesem Alptraum.

Aber ich muss mir wohl den Film dieser Dame ansehen.

Scheint mein Schicksal zu sein.

Ich hoffe mal dass es ein Ende geben wird.

Und hoffentlich wird wenigstens dieses Ende gut.

1 Kommentar:

Michèle hat gesagt…

Nicht das Ende vom Leben - aber das Ende vom Albtraum, vom schlechten Film.

Wunderschön geschrieben. Auch wenns unter die Haut geht und weh tut.

Kuss